KR Boom FC  - FC Verbroedering Dender EH  1:1

08.03.2020

First Amateur Division

Gemeentelijk Parkstadion Boom

Zuschauer: Ca. 400 (ca. 30 Gäste)

 

 

 

Verrückte Zeiten, in denen wir uns bewegen.
Das Corona-Virus dominiert unseren Alltag und durchkreuzt natürlich auch so manche Planung des Fußballfreundes.
So brechen zum Beispiel bei mir jetzt nacheinander die geplanten Spiele der nächsten Wochen weg, darunter das Berlin-Derby am (ursprünglich) kommenden Samstag, auf das ich mit einer gehörigen Portion Vorfreude blickte.

Bei allem Verständnis für die Maßnahmen der zuständigen Behörden, so ist das alles natürlich akut nervig.
Hinzu kommt, dass bei unseren niederländischen Nachbarn das Virus scheinbar schon große Teile des Gehirns weggefressen hat, denn wie sonst ist es zu erklären, dass dort demnächst ein flächendeckendes Tempolimit von 100km/h eingeführt wird?

Zumindest tagsüber soll es ab dem 16. März vorbei sein mit der „Raserei“.
Dabei bin ich durchaus kein Gegner eines 130 km/h-Limits, welches in Deutschland ja immer wieder mal diskutiert wird, aber 100 ist dann schon n bisschen sehr fragwürdig und ein weiterer Schritt in der Einschränkung persönlicher Freiheit und Bevormundung freier Bürger.
So rollen wir also wohl vorerst ein letztes Mal in meinem Rennford mit akzeptabler Geschwindigkeit über niederländischen Asphalt, um das im Speckgürtel Antwerpens gelegene Städtchen Boom (18.000 Einwohner) zu erreichen, welches Freunden elektronischer Musik sicherlich vom dort stattfindenden Tomorrowland-Festival ein Begriff sein dürfte.
Wir, das sind neben meiner Wenigkeit am Steuer, Gerrit, Blaubacke und Gubbel. Obwohl ich auch letzteren schon ne ganze Zeit kenne, war es heute Premiere in Hinblick auf gemeinsame Fahrten außerhalb des SVM and der Neuling zeigte sich zunächst verwirrt über die sehr sinnlosen Dialoge ohne jeglichen Informationsgehalt und äußerst flachen Gags im Auto, ehe man sich allmählich aklimatisierte.
Aber wer glaubt, er könne sich bequem in meinem Wagen ausruhen und sich gemütlich nach Belgien kutschieren lassen, irrt.
Wird allein schon durch abrupte Sinnlos-Bremsmanöver jeglicher Versuch des gemütlichen Nickerchens konsequent unterbunden, so wird der Beifahrer - von mir auch wertschätzend als „Co-Pilot“ bezeichnet- mit allerlei Arbeitsaufträgen betraut.
Gerrit hatte heute die Ehre und musste als erste Tagesaufgabe irgendeine sinnfreue Onlineregistrierung für mein Auto tätigen. Ohne diese darf man nämlich nicht in die Umweltzonen der Städte Antwerpen und Brüssel fahren. Ich war eigentlich der (falschen) Annahme, dass der Bumms nur für Brüssel nötig sei und wäre Gerrit nicht an Bord gewesen, so wäre ich vermutlich als nicht registrierte Umweltsau munter durch Antwerpens City gedüst.
Der Belgier versteht da wenig Spaß und droht mit Bußgeldern zwischen 150-300 Euro. Offenbar kann man die Registrierung aber auch bis max. 24 Stunden später nachholen, was ja der Sinnlosigkeit die Krone aufsetzt.
Kurios dabei ist natürlich, dass wir nur zum Spielbesuch nicht mal in irgendwelche Umweltzonen gemusst hätten, sondern einzig und allein der traditionelle Besuch einer belgischen Frituur ursächlich war. So erfüllten Gerrit und Gubbel den Auftrag, online nach einer Frituur zu suchen, die a) auf dem Weg liegt und b) mittags schon geöffnet hat, zu meiner großen Zufriedenheit und werden im Herzen Antwerpens fündig.
Guter Laden, da kann man nicht meckern; ordentlich große Portionen und guter Kaloriengehalt. Um ehrlich zu sein, habe ich danach den ganzen Tag nichts mehr gegessen, so satt war ich.
Nun aber los, der Anstoß um 15 Uhr wird bestimmt nicht nach hinten verlegt, nur weil vier verfressene Deutsche zu lange Pommes in sich hineinstopften.
Und natürlich wurde es mal wieder knapp. Aber wir wären nicht geil, wenn wir nicht geil wären und so enterten wir um exakt 14:58 Uhr den Ground. Leider konnten wir nicht mehr in Erfahrung bringen, ob bei Rupel Boom vor dem Spiel Vengaboys „Boom, Boom, Boom, I want you in my room...“ gespielt wird, ich glaube aber nicht.
In jedem Fall ist das hier aber ein weiteres Exemplar aus der Serie „Belgiens Stadionperlen“. Star des Ganzen ist die geile Haupttribüne, die ordentlich steil ist und in deren Bauch sich die einladende Stadiongastronomie befindet und Möglichkeit bietet -sofern man einen Sitzplatz direkt  am Fenster ergattert- sich hier im Warmen und Trockenen schön das ein oder andere Gezapfte zu löten und dabei das Spiel zu verfolgen.
Die gammligen Stehränge hinter den Toren sowie die kleine überdachte Tribüne auf der Gegenseite runden den grandiosen Gesamteindruck ab. Freiluftfreunde haben überdies die Möglichkeit in einem eigens dafür zurechtgemauerten Bereich unter freiem Himmel zu pissen und mit einer eulenartigen knapp 90-Grad -Drehung des Kopfes das Spiel gleichzeitig zu verfolgen.
Wirklich sensationell.
Dabei war das Spiel so, wie man es in der dritten Liga Belgiens so erwartet. Mäßiges Niveau und kampfbetont, sodass beide Seiten am Ende mit einem Spieler weniger und einem gerechten 1:1 vom Platz gingen. War ja auch fast so zu erwarten, denn beide Teams sind punktgleiche Tabellennachbar aus dem trostlosen Mittelfeld-Niemandsland dieser Spielklasse. Angefeuert werden indes beide Mannschaften mehr oder minder von je einer etwa zwei Dutzend umfassenden Fangruppe. Natürlich nix Weltbewegendes und eher unter der Kategorie „Dulliesupport“ einzuordnen.

Vor allen im Heimblock malträtiert man ohne jegliches Taktgefühl eine große Trommel (während man zeitgleich auf dieser sitzt) und irgendein Kauz quäkt was ins Megafon.
Aber natürlich auch hier gilt: Respekt für jeden einzelnen, der die Farben seines Clubs Woche für Woche im Stadion repräsentiert, völlig egal in welcher Liga.

Ja, je tiefer, desto mehr Respekt!
Nach dem Abpfiff verließen wir recht zügig das Stadion, um den gut dreistündigen Heimweg anzutreten
Hätten wir gewusst, dass dies der letzte Kick für eine vermutlich längere Zeit ist, wir hätten vermutlich noch ein wenig mit dem stillen Blick auf Rasen und Ränge verharrt, gleichsam um sich von einem guten Freund zu verabschieden, der auf ungewisse Zeit in ein anderes Land auswandert.
Schwere Zeiten stehen uns Fußballliebhabern bevor und zumindest bei mir machen sich die Entzugserscheinungen bereits bemerkbar.

Aber auch diese Krise werden wir meistern (was bleibt uns anderes übrig?) und ich sehne bereits jetzt den Kick in ein paar Wochen oder Monaten herbei, der mit den wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht unter tosendem Applaus der vielen ausgehungerten Menschen, die so lange entbehren mussten, angepfiffen wird.

Es wird ein großartiger Moment sein, Freunde!  

Haltet durch und bleibt gesund!
Wir lesen uns....