Besiktas Istanbul- Chelsea London 0:2
09.12.03

Ürena auf Schülkü
Vorrundenspiel Champions League

 

Aufgrund der Terroranschläge in Istanbul musste dieses Spiel aus Sicherheitsgründen in die Arena auf Schalke verlegt werden.
Bereits gegen Mittag machten sich der Schrotti und ich auf den Weg Richtung Gelsenkirchen, welches wir auch am frühen Nachmittag errichten. Da das Spiel jedoch erst am Abend stattfinden sollte, hatten wir noch genügend Zeit die Lage zu erkunden.
Nachdem uns der türkische Parkplatzmann für günstige drei Euros (ich denke zwei davon wanderten in seine eigene Tasche) am Stadion parken ließ, latschten wir zuerst eine Runde um die Arena, wo schon viele Türken zu sehen waren ( es war sechs Stunden vor Anpfiff) und da das Spiel ausverkauft war, machte man sich schon mal langsam auf die Suche nach Karten.
Hier war allerdings noch nichts zu holen, zumindest für uns nicht und so begaben wir uns Richtung Zentrum. In der Innenstadt rund um den Bahnhof war reges Weihachtstreiben und es lag bereits ein Hauch von Bosporus in der Luft. Auch hier waren schon sehr viele Türken unterwegs. Man ließ sich also eine Weile später in einer gemütlichen Kneipe nieder, in der auch bereits einige englische Fußballfans saßen und trank ein Bier. Es war aber allerdings nicht das aus England gewohnte saufende und gröhlende Klientel, sondern einige Herren zwischen 40 und 50 und es erinnerte mehr an Omas Kaffeerunde. Also wurde es auch hier schnell langweilig und man hoppte immer mal wieder zwischen Stadion und Innenstadt umher, um sich schließlich ca. zwei Stunden vor Anpfiff endgültig Richtung Arena zu begeben. Hier boomte, wie erwartet der Schwarzmarkt, jedoch in einer etwas skurilen Form, denn an jeder Ecke stand ein Türke mit ungelogen locker 30 Karten in der Hand, die er uns zu einem Spottpreis von 50 Euros anbieten wollte. Wir lachten diese jedoch aus, ganz genau in der Gewissheit, dass hier Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen und da das Angebot weit über der Nachfrage lag, würde der Preis sicher noch sinken. So entschieden wir uns also zu warten. Ca. eine Stunde vor Kick Off lag der Preis dann schließlich schon bei 30 Euro für den Oberrang und da man kein Bock mehr hatte zu warten, schlug man zu. Man hätte die Karten sicherlich kurz vor Anpfiff hinterhergeschmissen bekommen, aber was solls.
Unsere Plätze waren dazu sehr schön gelegen, nämlich direkt über dem Block der Engländer, die allerdings nur mit etwa 300 Mann angereist waren. Sicherheitsgründe, wie man uns erklärte.
Lange vor Anpfiff tönte nervtötende türkische Musik aus den Boxen, eine riesen Türkeiblockfahne wurde präsentiert und das ganze Stadion war in roten Farben gehüllt (komisch, denn eigentlich spielte hier Besiktas und nicht die Türkei). Aber na ja!
Zu Beginn eines spielerisch schlechten Matches war hier wirklich die Hölle los, denn das ganze Stadion ging mit. In den 90 Minuten wurde konsequent gegen die Engländer gepöbelt, ca. 15 Bengalos erblickten das Licht der Welt und man konnte erahnen was bei Spielen am Bosporus so los sein würde.


In der Halbzeit betrat dann ein türkischer Sängerknabe (wohl so etwas wie der türkische Wolle Petry) das Spielfeld und lieferte ein astreines Playback.
Zu Begin der zweiten Hälfte stand dann erneut das Spiel kurz vor Abbruch, denn eine Ecke des Stadions bewarf ca. 5 Minuten lang das Spielfeld mit Klopapierrollen, sodass die Ordner mit dem Entfernen dieser nicht nachkamen und die Spieler erneut in die Kabine gingen.
Irgendwann begann dann aber doch die zweite Hälfte. Die Ersatzspieler von Chelsea mussten jedenfalls mit Regenschirmen vor Münzen, etc. geschützt werden und wenn der Spieler Hasselbaink beim Eckstoss von der, knapp an seinem Kopf vorbei fliegenden, Dose getroffen geworden wäre, wäre hier wohl endgültig Ende gewesen........
Soviel zum sog. türkischen Fanatismus!!!
Kurz vor Schluss schoss dann Chelsea das 1:0 und kurz darauf den 2:0 Siegtreffer. Als dann ein Bengalo mitten im englischen Block landete brachen alle Dämme und die Türken versuchten den Auswärtsblock zu stürmen , was ihnen auch teilweise gelang, wobei eine Gruppe von ca. 30 Gästen diesen gut verteidigte.
Die Ordnungskräfte hatten zumeist den Überblick verloren und auch nach Spielende randalierten Türken vor dem Block der Engländer, bis sie von der Polizei vertrieben werden konnten. Wie lange die Gäste noch eine Blocksperre hatten, kann ich nicht sagen. Es war zumindest sehr, sehr lange!!!
Um aber nicht alle türkischen Fussballfanatiker über einen Kamm zu scheren, muss ich sagen, dass auch ein großer Teil der Besucher über das Verhalten ihrer Landsleute empört war und sich dafür schämte, wie man es auf dem Rückweg zum Parkplatz erfahren konnte!