VV Katwijk – Quick Boys 1:2

21.02.2026

Sportpark De Krom

Tweede Divisie

Zuschauer: 6.000 (ca. 600 Gäste)

 

 

Irgendwo in der Provinz Südholland an der Nordseeküste liegt das Städtchen und die gleichnamige Gemeinde Katwijk. Ich war schon ein paar Mal hier, denn ich mag diese Ecke mit den Orten Noordwijk, Zandvoort, Leiden, Haarlem usw. und nur 2,5 Autostunden von Meppen entfernt stellt sich hier an den schier endlos langen Stränden, den charakteristischen Strandbars, wo man oftmals leckere Kibbelinge mit einem lokalen Craftbeer herunterspült und dem allgemein entspannten Lifestyle sofort Urlaubsfeeling bei mir ein. Auch zum Fußball wurde Katwijk schonmal besucht, denn der Ground der Quick Boys liegt unglaublich schön in den Dünen und ist eine uneingeschränkte Empfehlung.

Ein paar Mal im Jahr wird es aber etwas trubeliger im sonst beschaulichen Ort und ich spreche nicht von den Sommermonaten, in denen es hier recht touristisch mit einem hohen Anteil teutonischer Urlauber hergeht. Nein, ich rede vom so zumindest oftmals titulierten „größten Amateurderby der Welt“.

Den Titel nehmen wird aufgrund spontan nicht in den Sinn kommender Alternativen mal so hin (OK, das Ding in Spakenburg vielleicht noch), so oder so ist das „Katwijkse Derby“ aber sicherlich mal so etwas wie Pflichtbesuch für jeden Stadiontouristen. Karten hierfür gibt es in der Regel nur für Mitglieder, schreibt man aber den Verein mal höflich per E-Mail an, so findet sich auch sicher für Deutsche eine Möglichkeit, diesem Kick beizuwohnen.

So wie zum Beispiel meine Frau und ich, die bereits eine gute Stunde vor dem 13:30 Uhr-Kick am Stadion De Krom (6.000) rumlungern und zunächst die hollandtypisch geräumige Stadiongastro begutachten, welche eine Art eigenen Club beinhaltet, wo lauter Hardstyle aus den Boxen dröhnt und der Mob völlig steil geht. Das alles um 12:30 Uhr wohlgemerkt. Ansonsten fließt das Heineken-Pilsken und die Pommes finden ihre Endbestimmung im Frittierfett. Während sich der Mob hier also in Stimmung bringt, geht es ohne jegliche Körperkontrollen hinein durchs Drehkreuz. Etwas verwunderlich, da der Verein im Voraus an seine Anhänger appelliert hat, auf den Einsatz von Pyrotechnik zu verzichten.

Spätestens als kurz vor Anpfiff ca. 20 vermummte Gestalten aus der Heimszene per Leiter aus dem Block heraus aufs Dach der Hintertortribüne klettern, zeigt sich, dass diese Appelle ungehört im frischen Nordseewind verhallen werden…...

Herzlich willkommen zum Katwijk-Derby: VV Katwijk, gegründet 1939 und sechsmaliger Träger des in den Niederlanden durchaus prestigeträchtigen Titels „Amateurmeister“ gegen Quick Boys, 1920 gegründet und dreimaliger Gewinner dieses Titels. Während zumindest VVK in dieser Spielzeit nicht mehr ins Titelrennen eingreifen wird (Platz 13 aktuell) lauert Quick Boys auf Platz 2 hinter dem aktuellen Spitzenreiter KSV Hoek.

Das alles hatte heute aber eher weniger Wichtigkeit, denn zunächst will mal das prestigeträchtige Stadtderby für sich gewonnen werden. Die Anhänger des Heimteams starten das Spiel mit allerlei Brimborium, den man so von niederländischen Amateurderbys kennt. Luftschlangen, Konfettikanonen, hinter der Gegengeraden geht ne ordentliche Batterie Feuerwerk hoch und die weiter oben angesprochenen Lads fackeln sicherlich 40-50 Bengalos ab, was den Vereinsoffiziellen sicherlich mal gar nicht gefallen haben dürfte. Dazu ein großes „Banner“ eines grimmig dreinschauenden Typs inklusive des Mottos „Finish Them“, was doch arg an die Choreo der Ultras vom KRC Genk im Heimspiel gegen Lech Pozan (August 2025) erinnert.   Wildes Intro in jedem Fall; hier wird mal so alles rausgehauen. Alles irgendwie nicht aufeinander abgestimmt bzw. ohne echtes Konzept, aber gefallen kann es dennoch.

Etwas anspruchsloser geht es im Gästeblock hinter Tor zu, wo sich schwer zu schätzende etwa 600 „Quick Boys“ (und einige Girls) eingefunden haben. Der Mob ist auffallend jung und überwiegend damit beschäftigt sämtliche Ausstattung mit Stickern zu versehen. Nichtsdestotrotz hat man ein paar Schwenker, ein paar ganz nette Zaunfahnen und vor allem ein zum Intro gezeigtes „Banner“ mit den Oberkörpern dreier Fußballleute inklusive des Spruchs „Blijven altijd onvervaard, vechten om de Bal“ (Bleiben immer unerschrocken, kämpfen um den Ball). Wird mir im Gesamtkonzept auch jetzt nicht ganz klar, muss es aber vielleicht auch nicht.

Erwartungsgemäß wurde dann zum Intro auch schon 90% der Munition verschossen, denn der weitere Verlauf war dann eher hinter den Erwartungen. Gerade auf Heimseite wäre doch angesichts der Masse viel mehr rauszuholen gewesen, doch hier fehlen einfach Leute, die in der Lage oder gewillt sind, eine Masse zu koordinieren. Irgendwo war zwar jemand mit einem Megafon am Hantieren, aber dabei kam auch nichts Gescheites rum, sodass man es auch schnell ließ.

Auf Gästeseite sieht es nicht viel besser aus, wenngleich ebenerdiges Stehen in die Länge gezogen nun auch nicht gerade supportförderlich ist. Erst zum Schluss wird es hier etwas wilder, als nämlich das Team der Quick Boys zunächst per Foulelfmeter in der 89. Minute zum 1:1 ausgleicht und sogar in der letzten Minute der Nachspielzeit zum 1:2 netzt.

Geiler Derbysieg, sowas wünscht sich wohl ein jedes Fanherz!! Auf Heimseite sitzt der Stachel natürlich tief, dennoch bleibt es abgesehen von einigen Provokationen im Rahmen. Generell ist das hier natürlich kein krasses Randale-Derby, wenngleich in der Vergangenheit durchaus schonmal ab und an ein paar Fäuste flogen.

Gefallen hat es in jedem Fall, Katwijk-Derby kann man auf jeden Fall mal machen.