FC Thun – GNK Dinamo Zagreb   1:1

21.07.2026

Stockhorn Arena

2. Runde Championsleague-Quali (Hinspiel)

Zuschauer: 9.000 (ca. 2.000 Gäste)

 

Die Qualirunden zu den drei internationalen Wettbewerben sind einfach die beste Zeit des Jahres und insbesondere nachdem uns Infantino und Gesindel knapp sechs Wochen lang die perversen Auswüchse des durchkommerzialisierten und durcheventisierten Fußballs gezeigt haben, gibt es nun wieder Exotik-Spiele zwischen Vereinen mit unaussprechlichen Namen, Gammelgrounds, Tifo und echten Emotionen.

Zwar lassen in diesem Sommer verschiedene Faktoren keine ausgedehnte Europokaltour meinerseits zu, aber zumindest bietet das Bahn-Bonus-Programm noch zwei innerdeutsche Freifahrten an.

Damit komme ich dann zumindest für lau von Meppen bis Basel-Badischer Bahnhof und gleiche Strecke zurück. Für die restlichen 1,5 Stunden von Basel bis Thun muss dann halt gezahlt werden. That‘s life.

So spuckt mich die Schweizer Bahn an diesem sonnigen Dienstagnachmittag im beschaulichen 44.000er-Städtchen Thun in Berner Oberland aus. Schon kurz nach Verlassen des modernen Bahnhofs merkt man, dass hier (wie eigentlich überall in der Schweiz) eine verdammt hohe Lebensqualität herrscht. Das glasklare Wasser der Aare schlängelt sich durch die Stadt und mündet bzw. entspringt hier im Thuner See. Junge Menschen üben sich vor den Wehren im Surfen und das allseits optisch präsente Thuner Schloss thront eingerahmt von schicker Architektur über der Stadt. Es gibt wahrlich schlimmere Orte auf diesem Planeten, wobei irgendwas hier so gar nicht in die Szenerie passt. Junge bis mittelalte, teils sportlich-drahtige bis muskulös-kompakte Herren in mehrheitlich schwarzen Shirt mit der Aufschrift „Bad Blue Boys“ haben die Gastronomie am Fuße des Schlosses in Beschlag genommen. Gelegentlich detonieren Böller so laut, dass der nichtsahnenden Schweizer Oberschicht vor Schreck der Aperol aus der Hand fällt. Kehlig-balkantypische Gesänge schallen durchs kleine Zentrum und jeder merkt schnell - eine der größten Gruppen des Balkan hat sich heute hier versammelt, um ihr Team im Hinspiel der zweiten Runde der Championsleague-Quali zu unterstützen. FC Thun gegen den Građanski nogometni klub Dinamo Zagreb, oder auch Schweizer Meister gegen Kroatischer Meister.

Während das Team aus Zagreb nahezu ein Abo auf den jährlichen Meistertitel hat, so handelt es sich beim Erfolg der gastgebenden Mannschaft um ein echtes Überraschungsteam. Vor etwa einem Jahr erst in die Super League aufgestiegen, marschierte man mit Kampf- und Teamgeist in feinster Kaiserslautern 1998-Manier direkt zur ersten Meisterschaft.

Die seit 2011 sportliche Heimat namens Stockhorn-Arena liegt eine gute halbe Stunde Fußweg vom Stadtzentrum entfernt und kommt als völlig steriler Neubau ohne individuellen Charme daher. Wenigstens schafft man es durch nahezu ausverkaufte Hütte eine ganz ordentliche Fußballatmo auf die Ränge zu bringen, was sicherlich auch an den knapp 1.000 Kroaten im Gästeblock liegt. Zusätzlich finden sich recht viele auf den Rängen, sodass sicherlich gut 2.000 Personen im Stadion dem Team aus Maksimir die Daumen drücken. Während man auf jegliches optische Tifomaterial verzichtet, kann man supporttechnisch in weiten Teilen überzeugen, insbesondere die balkantypischen Klatscheinlagen mit einem lauten „Dinamo Zagreb“ können gefallen.

Kleines Kontrastprogramm dann gegenüber, wo sich die heute etwa 500 Personen starke aktive und recht jungen Fanszene Thuns in einheitlichen „Europapokal-Shirts“ unter dem Namen „Block Süd Thun“ organisiert und ebenfalls einen flotten Auftritt zeigt. Vom Liedgut her sicherlich kaum Innovatives dabei, aber insgesamt recht solide, sodass man insgesamt von einem stimmungsvollen Quali-Abend sprechen kann, der auch auf dem Rasen unterhaltsam ist und mit dem insgesamt leistungsgerechten 1:1 dem Team aus Thun alle Chancen für’s Rückspiel offen lässt.