AFC Wimbledon – Bolton Wanderers FC

31.01.2026

Plough Lane

League One

Zuchauer: 8.659 (ca. 1.000 Gäste)

 

Endlich mal wieder England, ich hatte irgendwie so richtig Bock, auch wenn es letztlich wieder mal ein Kurzaufenthalt sein sollte.

Da ich Zeit, aber kein Bock auf ultrafrühes Aufstehen am Samstagmorgen hatte, schlug ich mich bereits am Freitagnachmittag per Deutschlandticket nach Troisdorf vor den Toren Kölns durch.

Nahverkehrsrouten im Ruhrgebiet an nem Freitagnachmittag fördern den Menschenhass und fordern insgesamt starke Nerven. Sämtliche Züge waren hoffnungslos überfüllt und natürlich alles recht deutlich verspätet.

Spätestens ab Düsseldorf wurde es dann quasi als Bonus zunehmend karnevalistischer, sodass ich dann doch ganz froh war, als mich der Zug irgendwann in Troisdorf ausspuckte. Warum Troisdorf? Nun, hier lässt es sich im unmittelbar am Bahnhof gelegenen B&B-Hotel gut pennen und es sind nur zwei Stationen zum Airport. Sing ging mein Wecker am Folgetag erst um 6 Uhr, statt nachts um 3.

Noch ne Pizza vom Format „Wagenrad“ beim örtlichen Türkengrill und zeitig zu Bett.

Am Folgetag lungerte ich also recht früh am Airport herum, um sehr pünktlich mit „dem Rainer“ gen Britannien abzuheben.

Stansted Airport, hallo! Schön dich mal wieder zu sehen, du alte Rammelbude. Die elektronischen Passkontrollen funktionieren ultraschnell, sodass man schneller als erwartet im Stansted Express sitzt und die rund 45 Minuten zur Victoria Station fährt, hier nochmal in den Thameslink springt und somit von Landung bis zum Tagesziel fast 1:45 Stunden benötigt. Nur so als Beispiel für die Distanzen in dieser riesigen Stadt.

Der AFC Wimbledon im Südwesten der Stadt bittet um 12:30 Uhr zum Spiel.

Dieser Club ist schon so eine kleine Besonderheit, was alleine schon daran deutlich wird, dass das AFC für „A Fan’s Club“ steht, denn hier haben - und das ist ja gerade England nicht gerade üblich- die Anhänger noch das Sagen.

Kurzer Abriss der Historie: Alles begann mit dem ursprünglichen Wimbledon FC (bekannt als die "Crazy Gang", die 1988 sensationell den FA Cup gegen Liverpool gewann).  Anfang der 2000er beschlossen die Besitzer, den Verein ca. 90 km nach Norden in die Planstadt Milton Keynes umzusiedeln, weil sie dort ein größeres Stadion und mehr Profit erwarteten. Dem Verein wurden Name, Farben und Vereinswappen genommen, stattdessen entstand der Verein MK Dons. Der Geschäftsmann Peter Winkelmann steht untrennbar mit diesem skandalösen Raub der Vereinsseele in Verbindung.

Für die Fans war das natürlich der Super-GAU und man weigerte sich, diesen Quatsch mitzumachen. Stattdessen gründeten sie am 30. Mai 2002 ihren eigenen Verein: den AFC Wimbledon. Der Verein ist über den sogenannten „Dons Trust“ mitgliedergeführt und jede Entscheidung wird basisdemokratisch getroffen, indem jeder Anhänger eine Stimme hat.

Wie es sich halt oftmals bei neugegründeten Vereinen ist, so startete der AFC ganz unten, nämlich in der 9. Liga (Combined Counties League).

Was dann jedoch folgte, ist fast beispiellos im Weltfußball:

In nur 14 Jahren schaffte der AFC Wimbledon sechs Aufstiege und spielt aktuell in der League One, also der nationalen dritten Liga.

Der größte Triumph war jedoch nicht nur sportlich. Das ursprüngliche Stadion des alten Vereins lag an der Plough Lane.

Nach vielen Jahren im "Exil" bauten die Fans ein neues Stadion – direkt an der alten Plough Lane.

2020 kehrte der AFC Wimbledon somit offiziell in seine Heimat zurück. Ja, und diese habe ich soeben betreten und sehe mich mit einem üppigen Catering-Angebot verschiedener Foodtrucks konfrontiert. Sehr charmant, dass die lokale „Wimbledon-Brewery“ hier mit dem Plough Lane Pale Ale und dem Wimbledon Lager zwei örtlich Biere am Hahn hat. Bisschen blöd natürlich, dass man sein Bierchen nicht gemütlich an seinem Platz im Stadion saufen kann. Sei es drum. Mit gut 8.000 Zuschauern ist das recht neue und daher weitgehend unspektakuläre, aber gar nicht so schlechte „Cherry Red Records Stadium“ ganz ordentlich gefüllt. Hinter dem einen Tor stehen die Getreuen des AFC die gesamte Spielzeit, gesanglich ist das aber natürlich nix Besonderes, sieht man von dem ein oder anderen Chant ab, der dann englandtypisch aber leider immer viel zu schnell wieder abebbt. Nicht viel anders sieht es im Gästebereich auf der gegenüberliegenden Seite aus, wo knapp 1.000 Anhänger aus der Grafschaft Lancashire auch weitgehend schweigend das Spiel verfolgen. Abgesehen vom ganz netten „Torpogo“ beim einzigen Treffer des Spiels war das hier nicht viel.

Auf den Rängen geht daher der Award „Fan des Tages“ daher ganz klar an „Haydon the Womble“.

Haydon ist das Vereinsmaskottchen und Wombles sind kleine Fantasiewesen aus der britischen Kinderliteratur. Irgendwas zwischen Maus, Dachs und Eichhörnchen leben diese Wesen in Bauten im Untergrund des Wimbledoner Parks und sammeln den Müll der Konsumgesellschaft unter dem Leitmotto „Make good things of bad rubbish.

Bezeichnend also, dass der gute Haydon eine blaue Mülltonne hinter sich herzieht und durch wildes Schlagen mit dem Deckel wiederholt versucht, die Massen etwas anzuheizen.

Echter Top-Lad, das steht außer Frage.

Außer Frage steht zudem auch, dass ich den Besuch hier wirklich recht sympathisch fand. Aber nach Abpfiff bleibt nicht viel Zeit. Kick 2 des Tages ruft.